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Bildungspolitik und Schulsysteme in der Diskussion

Kategorie: Veranstaltungen Veröffentlicht: Freitag, 09. November 2007
Für den 4. Dezember 2007 hat der DFV Hamburg den Vorsitzenden der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Landesverband Hamburg, Klaus Bullan, als Experte zum Thema "Eine Schule für Alle -- warum?" eingeladen. Die Veranstaltung findet um 19.00 Uhr in der Geschichtswerkstatt St. Georg, Hansaplatz 9, statt. Wir hoffen auf einen regen Besuch.

Das Thema ist aktueller denn je. Viele Begriffe aus dem herkömmlichen Schulsystem wie Gymnasium, Gesamtschule, Hauptschule, Realschule, Grundschule und neuerdings "Stadtteilschule" und in Schleswig Holstein "Gemeinschaftsschule" und "Regionalschule" schwirren umher. Muss das sein?

Das dreigliedrige Schulsystem haben wir in den alten Bundesländern aus der Kaiserzeit und den nachfolgenden Perioden wie der Hitlerzeit übernommen. In der DDR gab es das einheitliche Schulsystem, das vom Kindergarten bis zum Abitur und/oder bis zum Abschluss der Berufsausbildung ging. Diese Einheitlichkeit und die damit verbundes Chancengleichheit waren und sind Ziele der Arbeiterbewegung, zu der wir uns als Freidenker zugehörig wissen. Ansätze dazu gab es auch im Westen. Finnland hat das System der DDR weitgehend übernommen und uns neuerdings angesichts der PISA - Ergebnisse empfohlen. Aber zunächst wurde nach 1990 mit Einverleibung der DDR das einheitliche, für viele Menschen vorbildlich geltende Bildungssystem zerschlagen.

In der Einladung zu der Veranstaltung am 4.12., das allen Mitgliedern und Freunden des DFV in Hamburg und Umgebung zugesandt worden ist, haben wir die Fragen gestellt:

  • Warum wurde die Initaitve "Eine Schule für Alle" gegründet?
  • Welche Ziele verfolgt die Initiative?
  • Wieso beschäftigt sich der DFV mit dem Thema?
  • Wie kann der DFV seine Vorstellung zur Bildungspolitik durchsetzen?

Der Freidenkerverband der in Hamburg in diesem Jahr 125 Jahre besteht, ist nicht nur eine Interessengemeinschaft konfessionsfreier Menschen und eine Weltanschaungsgemeinschaft, sondern auch eine Kulturorganisation. Kulturpolitik ist nach dem Grundgesetz Länderhoheit. Insofern ist der Kreis geschlossen und eine Frage beantwortet, warum wir uns als Hamburger Freidenker mit dem Thema befassen. Sowohl in der Satzung des DFV auf Bundesebene als auch in der Satzung des Landesverbands Nord stehen eindeutige Aussagen zu einem einheitlichen Schulsystem, das insbesondere die Bildungschancen für Alle fordert. Ausführlich ist die Position des DFV in der "Berliner Erkläung", die vor über 10 Jahren nach langer Diskussion verabschiedet wurde. Sie kann unter www.freidenker.de nachgelesen werden. Hier der Ausschnitt der sich mit dem Thema befasst:

Aus der Berliner Erklärung:

"Der DFV tritt für ein ganzheitliches System von Bildung und Erziehung ein, das die maximale Forderung von Neigungen und Fähigkeiten ermöglicht und gleiche Bildungschancen für alle bietet.

Dies erfordert eine breite Grundbildung und die Durchlässigkeit der Bildungsgänge, die Vermeidung von Bildungsprivilegien und sozialer Auslese.

Notwendig sind Systeme der speziellen Förderung, besonders für Mädchen und Frauen, der Weiterqualifizierung und eines lebenslangen Lernens. Die Unterrichtsfächer an den Schulen müssen dem jeweils erreichten Niveau der Wissenschaft, die Bildungsinhalte demokratischen und humanistischen Grundsätzen entsprechen. Mitmenschlichkeit und Toleranz, Gerechtigkeitssinn und Solidarität sind wichtige Lernziele, wir treten für eine Erziehung zum Frieden, zu Völkerverständigung und -freundschaft ein. Wissenschaft und Forschung tragen eine große Verantwortung für die Menschheits- und Umweltverträglichkeit ihrer Ergebnisse, und damit für den Fortbestand der Zivilisation.

Der Deutsche Freidenker-Verband tritt für eine neue Qualität der Kultur, des individuellen und gesellschaftlichen Verhaltens im Umgang der Menschen miteinander ein.

Historisch schließt unser Kulturverständnis die fortschrittlichen Überlieferungen und Traditionen der Menschheit, des Freiheitskampfes der Unterdrückten und Ausgebeuteten, insbesondere die Kämpfe der Arbeiterbewegung für die Verbesserung ihrer Lage und für eine sozialistische Gesellschaft an."


Solange wir denken können, haben wir diesem Ideal zugestrebt. Die nachfolgenden Zeilen sind ein persönlicher Einschub. Obwohl wir noch keine schulpflichtigen Kinder hatten, sind wir für die Aktion "Kleine Kinder brauchen kleine Klassen", die in den 70er Jahren von der GEW und anderen fortschrittlichen Organisationen initiiert worden waren mit auf die Strasse gegangen. Der Erfolg in Hamburg: die durchschnittliche Klassenfrequenz ging in den Grundschulen auf 22 Kinder zurück. Viele Kinder aus minderbemittelten Elternhäusern und sozial schwachen Stadtteilen hatten eine größere Chance ihren Kindern bessere Bildungsmöglichkeiten zu geben. Der Anteil der Arbeiterkinder an höheren Bildungsgängen stieg von unter 5 Prozent auf über 14 Prozent. Diese
Zahlen sind seit Jahren wieder rückläufig.

Wir sind Mitte der 70er Jahre bewusst in einen der beiden Stadtteile Hamburgs gezogen die eine Ganztags-Gesamtschule hatten: Mümmelmannsberg und Steilshoop. In Steilshoop wohnen wir über 30 Jahre. Unsere Kinder haben dort ihren erfolgreichen Schulabschluss gemacht (Abitur). War die Gesamtschule, die jetzt in diesem Statteil vorzeitig, d.h. Im Schuljahr 2008, auslaufen soll, die ideale Schule und eine Schule für alle? Sie kam dem Ideal nahe und zunächst wurde sie auch so personell und finanziell ausgestattet.Mit Sozialpädagogen, festangestellten
Werkmeistern, Musikstudios usw. Im Laufe der Jahre wurden bis zu 30 neue Gesamtschulen erföffnet, besser gesagt andere Schulen umgewandelt. Doch die gleiche Ausstattung wie die ersten Gesamtschulen erhielten diese nicht. Der Run auf die Gesamtschulen war dem Elternwillen geschuldet. Nicht nur die Springerpresse und die konservativen Parteien wie die CDU hetzten gegen die Gesamtschulen, sondern auch konservative Kreise aus der SPD setzten auf das "bewährte" Modell des Gymnasiums.

Uns wird nun vom regierenden CDU-Senat der Freien und Hansestadt Hamburg (Bürgerschaftswahlen am 24. Februar 2008) die Stadtteilschule und das Gymnasium als nun zweigliederige Schulsysteme angepriesen. Alter Wein in neuen Schläuchen kann man nur sagen.

Ende Oktober d.J. wurde nun die Volksinitiative EINE SCHULE FÜR ALLE -- GUT FÜR HAMBURG gegründet, zu dem ein breiter Vorbereitungskreis aus Mitgliedern der Elterkammer, der Schülerkammer, des Elternvereins Hamburg e.V., der Gewerkschaften GEW, Ver.di, Parteien wie der SPD, DIE LINKE und der GAL gehört. Der Deutsche Freidenker-Verband hat sich als
Kulturverein dieser Initiative angeschlossen und hofft auf einen Erfolg, der einen langen Atem braucht und selbst sich der konservativen Kreise der bisherigen Oppositionsparteien in der Bürgerschaft erwehren muss.

Hoffen wir auf eine spannende Diskussion am 4. Dezember um 19.00 Uhr mit dem GEW-Vorsitzenden Klaus Bullan in der Geschichtswerksatt St. Georg, die zentral und gut erreichbar ist und in der Nähe des ZOB und des Hamburger Hauptbahnhofs am Hansaplatz 9 ihren Sitz hat. Interssierte Schüler und Eltern sind herzlich eingeladen.

Angelika und Uwe Scheer