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Die Wurzeln des Faschismus in Schleswig-Holstein

Kategorie: Schleswig-Holstein Veröffentlicht: Freitag, 04. Juni 2010

Historisch gesehen lebten besonders germanische Stämme im Norden unseres heutigen Deutschlands. Die Germanen hatten ihre Götter und Götzen und ihre Kulte, die für sich gesehen heute keinen Schaden mehr anrichten. Aus dieser Zeit stammen die Findlinge, Runensteine, Langbetten, Hünengräber usw.

Es gibt Menschen, die sich gern mit Früh- und Vorgeschichte befassen, was im Grunde genommen nichts Verwerfliches ist. In Verbindung mit dem Rassismus mit dem aufkommenden Faschismus wurde der Germanenkult aber Hauptteil, und das besonders in Schleswig-Holstein, der nationalistischen Ideologie. Eine weitere Rolle spielte der Deutsch-Dänische Krieg 1864 mit der Auseinandersetzung des Deutschen Bundes mit dem Königreich Dänemark um Schleswig-Holstein, vor allem um das Herzogtum Schleswig. Österreichische und preußische Truppen unter dem Generalfeldmarschall Wrangel überschritten nach Ablauf eines Ultimatums die Eider.  Zusammenhänge wieso und warum würden hier den Rahmen sprengen. Jedenfalls verlor Dänemark den Krieg und  Schleswig-Holstein wurde von Preußen einverleibt,  einschließlich das heutige Nordschleswig. (Holstein gehörte schon vorher zu Preußen.) Es entstand in gewissen Kreisen ein übersteigertes Nationalgefühl.

Nach dem Ersten Weltkrieg musste Nordschleswig an Dänemark zurückgegeben werden. Schleswig-Holstein ist ein Agrarland, Gutsbesitzer, Dithmarscher Freibauern, das Kleinbürgertum befürchteten das Erstarken der Arbeiterbewegung, wie es in den größeren Städten wie Kiel, Lübeck, Flensburg der Fall war, und wandten sich reaktionären und  nationalistischen Kreisen zu. Gerade die NSDAP hatte in Schleswig-Holstein schon vor 1933 einen hohen Stimmenanteil erzielt.

Es gab einige geistige Wegbereiter im westlichen Schleswig-Holstein. Gustav Frenssen, Pastor und antisemitischer Schriftsteller, geb. 1863 In Barlt/Dithmarschen, gest. 1945 in Barlt. Zunächst schrieb er Heimatromane. In seinen Schriften ist völkisch-nationalistisches, militaristisches und imperialistisches Gedankengut zu finden. Er forderte ein starkes deutsches Reich. In seinem Werk ,,Der Glaube der Nordmark“ legt Frenssen seine Ansichten von einem germanisch-völkischen Schicksalsglauben dar. Er befürwortete den Nationalsozialismus und verehrte Hitler. Seine Schriften nach 1933 sind
übelste nationalistische Propaganda auf biologisch-rassistischer Grundlage und Durchhalteparolen am Ende des Zweiten Weltkrieges. Unverständlich ist es, dass es heute noch im Dichterviertel im Norden Kiels eine Frenssenstraße gibt, die schleunigst  umbenannt werden sollte. (Das wäre eine Aufgabe für DIE LINKE, in der Kieler Ratsversammlung einen Antrag zu stellen.)

Als Ideologe der NS-Germanistik galt der 1862 in Wesselburen/Dithmarschen geborene Adolf Bartels. Er starb 1945 in Weimar. Er schrieb über die arische Rasse und den nordischen Ursprung der Germanen und grenzte sie dadurch von den Mittelmeervölkern ab. Er behauptete von sich, dass die Scheidung von Deutscher und Jüdischer Literaturgeschichte eines seiner besonderen Verdienste gewesen sei.

Der Dritte dieser Wegbereiter war der 1851 in Hadersleben geborene Julius Langbehn. Er meldete sich als Freiwilliger im1970/71er Krieg gegen Frankreich und wurde als Leutnant der Reserve entlassen. Er studierte Archäologie und Kunstgeschichte. Langbehn begriff Rationalität, Wissenschaftlichkeit, Materialismus, Liberalismus, Kosmopolitismus als Degenerationserscheinungen und machte die Aufklärung dafür verantwortlich. Er hasste die Moderne und setzte den Typus des „Niederdeutschen“, verkörpert durch den Maler Rembrandt, dagegen. Mit seinem Werk „Rembrandt als Erzieher“ traf er den antiliberalen Zeitgeist von Teilen des deutschen Bürgertums. Das Buch hatte hohe Auflagen. Später aber wurde es als „Möchtegernphilosophie“ entlarvt.

Somit gab es viele Ursachen für das Anwachsen des Faschismus in Schleswig-Holstein. In den übrigen Landesteilen mögen andere Gründe eine Rolle gespielt haben.

Gerd Adolph