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Jugendweihe 2005: Arbeitsgemeinschaft Jugendweihe Groß-Hamburg e.V.

Kategorie: Hamburg Veröffentlicht: Montag, 13. Juni 2005
Das Jugendweihe-Jahr 2005 begann traditionell nach den Weihnachtsferien. Zu einem ersten Treffen fanden sich die Jugendlichen in den Kursen ein. Diese finden statt in Bergstedt (9), Bergedorf (29), Geesthacht (18), Harburg (6), Landungsbrücken (10)
und in Elmshorn (28). In Klammern immer die Anzahl der Jugendlichen im jeweiligen Kursus. Diese Zahlen können sich noch leicht nach oben verändern, weil jedes Jahr immer noch einige Nachzügler hinzukommen. Doch spätestens im Februar ist dann Schluss, denn wir sehen den vorbereitenden Kursus und die Feier als eine Einheit. Niemand kann nur an der Feier teilnehmen!
Die Anzahl der Jugendlichen hat sich insgesamt in den letzten Jahren kaum verändert und liegt wieder bei 100. Jedoch haben wir neu den Kursus in Elmshorn, der in den letzten Jahren nicht zustande kam, weil uns die ehrenamtlichen Erwachsenen fehlten, diesen Kurs zu leiten. Dort wird, wie in den früheren Jahren auch schon immer praktiziert, eine eigene kleine Feier ausge-richtet. Alle anderen Kurse feiern gemeinsam am 18. Juni in der Hamburger Musikhalle, die nun in Laeisz-Halle umbenannt wurde.
Ausführlicher möchte ich berichten über meinen Kursus in Bergedorf. Da wir in der AG Jugendweihe keinem Vorschriften machen, welche Themen wie zu behandeln sind, kann das Programm in anderen Kursen auch ganz anders laufen. Nicht zuletzt geben wir ja auch den Jugendlichen die Chance, die Themen mitzubestimmen. So haben wir in Bergedorf auf dem ersten Treffen am 5. 1. erst einmal versucht uns kennen zu lernen, was bei so vielen Menschen gar nicht so einfach ist. Ich habe versucht, das Kinderspiel "Kofferpacken" in abgewandelter Form zu benutzen. Jede/r sagt ihren/seinen Namen und noch ein Hobby dazu. Beim Nächsten wird das schon Gesagte wiederholt. Dies wird natürlich immer schwerer, je mehr schon vorher dran gewesen sind. Schließlich haben die letzten Jungs dann einfach aufgegeben und nur noch ihren Namen und ihr Hobby gesagt.  Nun habe ich Zettel verteilt und die Jugendlichen gebeten, Themenwünsche aufzuschreiben. In den letzten Jahren ist es immer weniger geworden, was die Jugendlichen zu Papier gebracht haben. Vor 20 Jahren waren es noch viel mehr Themen als Termine, sodass wir Themen zu Themengruppen zusammengefasst haben oder auch Themen, die nur von sehr wenigen gewünscht wurden, weglassen mussten. Inzwischen kommt fast gar nichts mehr. Ich sagte den Jugendlichen, dass sie sich dann mit den von mir gewählten Themen abfinden müssten, aber weiterhin offen sei für Vorschläge.
Das Verhältnis von Jungen zu Mädchen ist 20 zu 9 im Kursus Bergedorf. Ich habe darüber keine Statistik geführt, sollte aber vielleicht einmal nachschauen in meinen Unterlagen. Es scheint mir so, als wenn grundsätzlich die Anzahl der Mädchen geringer ist, ohne dass ich sagen könnte, woran es vielleicht liegt. Spekulieren würde ich, dass Mädchen eher duldsam sind und daher die zwei Jahre Konfirmandenunterricht auf sich nehmen (weil die Klassenkameradinnen zum Konfer gehen etc.), statt die Jugendweihe zu wählen. Nur bei wenigen Jugendlichen hat die Jugendweihe eine Tradition in der Familie. Viele kommen, weil sie durch Klassenkameraden darauf aufmerksam gemacht wurden oder die Eltern davon in der Zeitung gelesen haben.
Grundsätzlich beginnt jede Stunde damit, dass ich frage, ob es irgendein aktuelles Thema gibt, was wir besprechen sollten. Bisher kam noch nichts von den Jugendlichen. Dennoch frage ich immer wieder. Im letzten Jahr haben wir so einmal über den Krieg gegen den Irak gesprochen und einmal über die Stolpersteine, welche die CDU in Bergedorf verhindern wollte. Danach beginnt das eigentliche Thema.
Ich beginne immer mit dem Thema "Entstehung des Universums, unseres Sonnensystems und des Lebens auf der Erde", so auch am 12. Januar.
Immer wieder verblüffend für die Jugendlichen ist ein kleines Experiment. Ein DIN-A3- Blatt schneide ich längs in vier gleich große Streifen, klebe sie hintereinander und zuletzt einmal verdreht zusammen (Möbiusband). Nun frage ich die Jugendlichen, wo ich wieder ankommen würde, wenn ich immer geradeaus fliegen würde, dabei unendlich schnell sein könnte und Hindernisse einfach durchquert werden könnten. Manche kommen darauf und sagen, am gleichen Ort, wo losgeflogen wurde, viele gucken sehr ungläubig. Nun lasse ich von Jugendlichen in der Mitte des Papierstreifens einen Strich ziehen. Es wird deutlich, es gibt kein klares Innen oder Außen. Nun sollen die Jugendlichen raten, was geschieht, wenn ich den Streifen auf dem Strich zerschneide. Fast niemals kommen sie darauf, dass der Streifen einfach nur größer wird. So versuche ich zu zeigen, obwohl jeder Vergleich hinkt, dass das Universum kein Innen und Außen hat und sich immer weiter ausdehnt.
Eine Woche später geht es dann mit dem Thema weiter, mit dem Schwerpunkt auf der Evolution als Zufallsgenerator, der Mensch eben nicht als die Krönung der Schöpfung! Hierbei benutze ich schon seit 30 Jahren das Cytochrom-c-Schema, um die Verwandtschaft aller Lebewesen auf der Erde aufzuzeigen. Erstmals gelesen habe ich dies bei Hoimar von Ditfurth in seinem Buch "Im Anfang war der Wasserstoff". Heute kommen natürlich die Genforschung mit ihren Untersuchungen an den nur durch Frauen vererbten Mitrochondrien hinzu, welche die Wiege der Menschheit eindeutig nach Afrika in die Zeit vor etwa 150.000 Jahren verlegt hat. Insgesamt sind diese beiden Stunden sicherlich anstrengend für die Jugendlichen. Doch mir ist es wichtig, die Grundlagen unseres wissenschaftlichen Weltbildes einmal knapp darzustellen.

Ende Januar behandle ich immer das Thema Faschismus, meist am Beispiel von Helmut Hübner, so auch diesmal. Doch auch die Stolpersteine, Machtübertragung an Hitler, Befreiung des KZ Auschwitz und Befreiung am 8. Mai habe ich angesprochen. Von den Jugendlichen kam nur sehr wenig. Ich habe sie aufgefordert, ihre Großeltern nach deren Erinnerungen aus der Zeit vor 60 Jahren zu befragen. Am 2. Februar wollte ich diese "Hausaufgabe" abfragen, musste aber feststellen, dass niemand sie gemacht hatte oder erzählen mochte. So forderte ich die Jugendlichen auf zu erzählen, was sie in der Freizeit machen und welches Angebot besonders gut sei bzw. besonders wenig Geld kostet. Immer wieder erstaunt mich, wie wenig Jugendliche die Einrichtungen wie Jugendzentren nutzen. In der noch verbliebenen Zeit las ich aus einem Buch die Bedeutung der jeweiligen Vornamen vor, soweit die Jugendlichen nichts dagegen hatten. Nur ein Mädchen wollte nicht hören, was ihr Vorname bedeutet. Bis auf eine Jugendliche wussten alle anderen nicht, was ihr Vorname ur-sprünglich einmal bedeutet hatte.
Weiter geplant habe ich bisher einen Nachmittag zum Thema Alkoholsucht, wozu ich trockene Alkoholiker und Angehörige von den Anonymen Alkoholikern eingeladen habe. Auch das Thema Globalisierung wird mit Gästen von Attac gestaltet. Zum Thema Gewalt werde ich den Jugendbeauftragten der Polizei einladen. Noch stehen nicht alle Themen, da ich auch auf aktuelle Ereignis-se reagieren möchte und noch auf Vorschläge von den Jugendlichen hoffe. Im Februar werden viele Jugendliche einen der beiden Termine für ein Wochenendseminar wahrnehmen, die das Thema "Körperfeeling & Identitätssuche" haben. Auf der Ausschreibung steht zur weiteren Er-klärung: "Einen Platz in einer Gruppe zu finden ist nicht leicht, sich selber zu akzeptieren noch viel schwerer ... darüber hinaus wollen wir aber auch  spielen und  Spaß haben."


Helmuth Sturmhoebel
1. Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Jugendweihe Groß-Hamburg e.V. und Kursusleiter in Bergedorf