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Das ZDF wird zum Papamobil

Kategorie: Aktuell Veröffentlicht: Sonntag, 31. Juli 2011

Sonderseite im Internet: papst.zdf.deDie gebührenfinanzierten öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten sind stolz darauf, »unabhängig« zu berichten, weil sie »nicht von Werbeeinnahmen abhängig« sind. Gerne kritisieren sie deshalb auch Regime, in denen eine unabhängige Berichterstattung nicht gewährleistet sei.

In diesem Jahr haben ARD und ZDF bereits mehrfach beweisen, wozu sie diese Unabhängigkeit befähigt. Ihre journalistische Kompetenz haben sie unter anderem bewiesen bei der stundenlangen Liveübertragung der »Hochzeit des Jahres« von William und Kate und bei der krampfhaft und erfolglos zum »Sommermärchen« hochstilisierten Frauen-Fussball-Weltmeisterschaft.

Wenn nun aber gerade kein König zur Hand ist und außer der Bundesliga auch kein Sportevent die investigativen Bemühungen ihrer Reporter herausfordert, ist das für ARD und ZDF kein Grund zur Verzweiflung. Zum Glück kommt ja vom 22. bis 25. September ein wichtiger Staatsgast zu Besuch. Herr Joseph Ratzinger, ein emigrierter Bischof aus Bayern, tourt in seiner derzeitigen Eigenschaft als letzter nicht demokratisch gewählter Staatschef Europas durch Deutschland.

Dazu kündigt das ZDF zahlreiche Sondersendungen an: »Live-Übertragungen von Gottesdiensten an allen vier Tagen sowie zusammenfassende und einordnende 'ZDF spezial'-Sendungen am Abend nach der 'heute'-Sendung garantieren eine umfassende Berichterstattung vom Deutschland-Besuch des Oberhauptes der katholischen Kirche.«

Ausgerechnet am selben Tag, an dem die Mainzer die klerikale Dauerberieselung ihrer Gebühren zahlenden Schäfchen ankündigten, verbreitete die katholische Deutsche Bischofkonferenz die offiziellen Zahlen über die Mitgliederentwicklung ihres Vereins. Dass die Mitgliederzahl der katholischen Kirche seit Jahren zurückgeht ist nichts Neues, nur noch knapp über 30 Prozent der Bevölkerung in Deutschland gehört dem Verein zumindest formell noch an. Die Ursache dafür war bislang, dass die Zahl der Vereinsaufnahmen – bei der katholischen Kirche Taufe genannt – die Zahl der Todesfälle nicht mehr ausgleichen konnte. Die überaltete Kirche zahlte biologischen Tribut. Der Rückgang der Zahl der Taufen wurde von den Katholiken bislang außerdem auf den demografischen Wandel zurückgeführt: Wurde in den 60er Jahren noch jährlich eine halbe Million Menschen in der BRD getauft, sank diese Zahl in den 70er Jahren auf 250.000 bis 300.000. 2005 wurde jedoch erstmals die Zahl von 200.000 Taufen unterschritten. Im vergangenen Jahr hat diese Zahl mit 170.339 einen neuen Tiefststand erreicht und lag damit zum ersten Mal unter der Zahl der Kirchenaustritte. 181.193 Katholiken ließen sich vom angedrohten Fegefeuer nicht mehr schrecken und trennten sich von dem Verein. Auch der biologische Verlust hielt an: Mehr als eine Viertelmillion Katholiken starben.

Trotzdem hält ZDF-Chefredakteur Peter Frey an der Dauerberieselung im Interesse einer Minderheit fest und begründet dies damit, dass Herr Ratzinger diesmal ja nicht zu einer »Missionarsreise« nach Deutschland komme. »Der erste Staatsbesuch eines deutschen Papstes ist nicht nur für die Katholiken in Deutschland ein Ereignis«, teilte er aus der Bischofsstadt Mainz mit. Der Besuch werde »nach dem Missbrauchsskandal auch von der nicht-katholischen Öffentlichkeit mit großer Aufmerksamkeit beobachtet«. Kein Wunder, auf der Mattscheibe läuft ja nichts anderes.

Frey selbst will abends »eine journalistische Einordnung« des Besuchs vornehmen. Glaubt (sic!) wirklich jemand, dass dabei tatsächlich kritische Stimmen über mehr als Alibistatements hinauskommen? Schon in der eigenen Presseerklärung des ZDF wird Herr Ratinger völlig unkritisch »Heiliger Vater« (natürlich ohne Anführungszeichen) genannt. Auf dem Programm stehen Liveübertragungen von dessen Ankunft am Flughafen Tegel, von dessen Empfang durch Bundespräsident Christian Wulff (selbst aktiv in religiös-fundamentalistischen Christenzirkeln) und durch Bundeskanzlerin und Pastorentochter Angela Merkel. Ebenso live flimmert über die Mattscheibe der Empfang des Kirchenchefs durch die thüringische Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht, sein Besuch des Erfurter Doms und natürlich stundenlang Gottesdienste, Messen, religiöse Feieren usw. Begleitet wird alles investigativ-journalistisch durch einen »liturgischen Kommentar« von Pater Max Cappabianco und durch den Chef von Radio Vatikan, Pater Bernd Hagenkord. Den Auftakt zur Weihrauchdröhnung macht bereits am Sonntag zuvor der unvermeidliche Guido Knopp mit seiner als Dokumentation angekündigten Show »Seine Heiligkeit – Benedikt XVI.« Am selben Tag wird in Berlin eine neue Landesregierung gewählt – die Berichterstattung darüber muss aber der Kirchenpropaganda weichen.